Cloud Computing

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Edge Computing – das Ende von Cloud Computing im Gaming?

Cloud vs Edge

Der Begriff Cloud im Zusammenhang mit Internet und Informationstechnologie hat seinen Weg in den täglichen Sprachgebrauch gefunden. Cloud Computing ist eine IT-Infrastruktur, bei der unter anderem Speicher und Rechenleistung bereitgestellt werden, ohne die Notwendigkeit einer lokalen Installation. Die meisten Haushalte laden heutzutage Bilder und Videos in die Cloud eines Anbieters wie OneDrive oder Dropbox hoch. Dort kann man nach Belieben auf die Objekte zugreifen, benötigt dafür aber keinen eigenen Speicherplatz auf dem Endgerät.

Auch Browserspiele wie scribbl.io oder krunker.io sind Beispiele von Cloud-basierten Anwendungen. Hier muss lediglich die Seite aufgerufen werden, um ohne Installation auf ein Game zugreifen zu können. Das Outsourcing der Rechenleistung hat bei solch weniger aufwendigen Spielen keine sonderliche Beeinträchtigung zur Folge und mindert nicht das Spielerlebnis. Kleinere Games, die per App abgerufen werden können, wie Candy Crush oder eine Partie Roulette in einem online Casino mit Bonus, beanspruchen keine enormen Mengen an Daten und erfordern daher keine aufwendigen Rechenleistungen in der Cloud. Bei anspruchsvollen Spielen, die eine höhere Rechenleistung erfordern, kann reines Cloud-Computing negativen Einfluss auf die Latenz und die Darstellung des Titels haben. In Synergie mit der Edge-Technologie könnten diese Probleme aber schon bald der Vergangenheit angehören.

Dazu loht sich zuerst ein Blick auf diese beiden Begriffe. Erstmals wurden die verschiedenen Modelle des Cloud Computing 2011 definiert, die Theorie dahinter gibt es allerdings schon länger. Das effektive Vernetzen von Dienstleistungen, zentralisiert über das Internet passierte nach und nach und ist alles in allem ein relativ neues Phänomen. Doch kaum hat es sich im Alltag etabliert und mehr Verständnis der breiten Masse bekommen, gibt es eine neue Form des Computing am Horizont – Edge Computing.

Darunter versteht man, den entscheidenden Punkt der Zentralisierung bei der Cloud Variante wieder zu dezentralisieren. Diese Datenverarbeitung soll entsprechend am Rande (engl. Edge) des Netzwerkes geschehen. Damit sollen Anwendungen, Daten und Dienste wieder lokal abgerufen werden können. Das spart vor allem Ressourcen ein – ein Aspekt, der zunehmend an Wichtigkeit gewinnt. Auf diese lokale Rechenleistung soll dementsprechend auf dem Endgerät oder innerhalb eines Unternehmens zugegriffen werden können. Mit anderen Worten: Die Daten sollen an der Stelle, wo sie generiert werden, auch verarbeitet werden. Und zwar lokal und am Rande des Netzwerkes.

Dementsprechend wird die nutzernahe Herangehensweise von Edge-Computing auch ihren Einfluss auf Gaming haben. Anwendungsprozesse werden somit nicht zentralisiert durchgeführt, sondern als verteilte Arbeitsschritte auf mehreren Datenpunkten. So wird Gamern die Möglichkeit gegeben, anspruchsvolle und grafisch aufwendige Titel mit minimaler Latenz zu spielen, ohne die Voraussetzung der physischen Nähe zu den Datenzentren der Cloud. Das Resultat ist, dass Edge-Technologie nicht den Platz von Cloud-Gaming einnehmen wird, sondern in Zusammenarbeit beider Methoden ein deutlich verbessertes Gaming-Erlebnis anbieten kann, unabhängig vom Standort der Zocker. Der Cloud-Aspekt bringt den Vorteil mit sich, dass dennoch Rechenleistung auf dem persönlichen Endgerät eingespart werden kann.

Außerdem lässt sich Gaming durch diesen Trend deutlich flexibler gestalten, sowohl für Entwickler als auch für die Spieler. Der nahtlose Übergang des Spieles zwischen verschiedenen Geräten wäre damit problemlos möglich. So kann ein neues Spiel an der Konsole begonnen und auf dem mobilen Endgerät der Wahl weitergeführt werden. Das gilt speziell unter Berücksichtigung weitere Entwicklungen der Technik-Industrie, namentlich 5G. Mit dem superschnellen Internet wachsen die Möglichkeiten, die in der digitalen Welt angeboten werden können. Spiele können noch detaillierter dargestellt werden oder mit vollständig zerstörbaren Umgebungen auftrumpfen. Auch Augmented und Virtual Reality können enorm profitieren und ihr ganzes Potenzial entfalten. Hier zählen Latenzzeiten und der damit verbundene Akkuverbrauch zu den größten Herausforderungen und können mit Hilfe von 5G und Edge-Technologie effektiv gelöst werden.

Vorteile des Edge Computing

Unterm Strich bedeutet das neben dem Schonen der Ressourcen auch schnellere Datenverarbeitung durch das Sparen des Umweges über ein zentrales Rechenzentrum. Somit kann ohne Verzögerung und in Echtzeit auf Daten zugegriffen und diese ebenso rasch weiterverarbeitet werden. Das ist in einigen Anwendungsgebieten unerlässlich. Bei autonomen Fahrzeugen zum Beispiel ist minimale beziehungsweise keine Verzögerung ausschlaggebend für die Sicherheit.

Ein weiterer Vorteil von Edge gegenüber Cloud Computing ist die oft problematische Verbindung, vor allem in ländlichen Regionen. Eine stabile Internetverbindung ist für das Arbeiten in der Cloud ein Muss und kleinere Unternehmen mit schwacher digitaler Infrastruktur sind somit im Nachteil.

Edge Computing benötigt ein Gerät am Rande des Netzwerks, welches Daten generiert. Das können Sensoren, Maschinen oder Geräte mit Künstlicher Intelligenz sein. Außerdem braucht es eine Plattform, auf der die gesammelten Informationen bereitgestellt werden. Wichtig ist, dass es hierbei zunächst nicht um das komplette Ablösen des Cloud Computing geht, sondern um einen komplementären Ansatz, der das beste beider Welten vereint.

Was IT-Infrastruktur angeht, bleibt cloudbasierte Datenverarbeitung erstmal an der Spitze. Prognosen zufolge soll sie bis 2025 den Markt beherrschen. Dann soll Edge Computing allerdings exponentielle Sprünge machen, sowohl auf dem europäischen als auch auf dem internationalen Markt. In Europa wird Deutschland als größter Markt für Edge und Cloud Computing angegeben, während die USA den größten globalen Markt stellen werden.

Wie sich die Zukunft letztendlich gestaltet, bleibt aber abzuwarten. Edge Computing wird dabei helfen bessere, schnellerer und sicherere Datenverarbeitung einer breiteren Masse zugänglich zu machen. Entwicklungen wie der neueste Netzwerkstandard 5G und Blockchain sorgen dafür, dass ebensolche Möglichkeiten der Rechenleistung weiter vorangetrieben werden. Somit kommt zum Schluss ein möglichst effizientes Resultat heraus. Dafür sorgt die Datenverarbeitung am Entstehungsort und in Echtzeit, die gepaart mit den Vorteilen von Cloud Computing und dem Internet der Dinge (IoT) neue Maßstäbe setzen sollen. Die Vorteile, die damit für Gaming entstehen, sind besonders interessant und werden Fans freudig in die Zukunft blicken lassen. Dazu zählen noch geringere Latenzzeiten, ein Spieleerlebnis quasi in Echtzeit und vor allem die wegfallende Notwendigkeit für High-End-Geräte. Die Fortschritte bezüglich des Zusammenspiels von Edge- und Cloud-Computing werden es noch mehr Menschen möglich machen, in den Genuss von hochauflösenden, ruckelfreien Gaming-Erfahrungen zu kommen.

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